Carnivore-Diät – Ein gefährlicher Hype?

Wenn es eine Diät gibt, die immer wieder für Aufsehen sorgt, dann ist es wohl eindeutig die Carnivore-Diät. Immerhin lernen wir Tag für Tag, wie schädlich es ist, Fleisch zu konsumieren und dann das: Jetzt nur noch Fleisch. Doch was macht diese Ernährungsform für Einige so interessant? Bleibt dran, es wird blutig.

Wie bereits weiter oben beschrieben, handelt es sich bei der Carnivore-Diät im Grunde nicht um eine Diät, sondern eine Ernährungsform, welche sich hauptsächlich tierischer Produkte und Salze bedient. Bei der Carnivore-Diät gibt es viele verschiedene Vertreter und Meinungen. Einige essen hauptsächlich nur Fleisch, Andere schwören aufs zusätzliche Essen von (rohen) Organen. Bei Einigen sind sogar Eier, Milch, Fisch, Käse und Butter erlaubt. Doch eine Voraussetzung ist bei Allen gleich: Die verwendeten Lebensmittel sollten dabei möglichst nicht aus der Massentierhaltung stammen, also nur Tiere aus Weidehaltung.

Die von Dr. Paul Saladino empfohlene Variante, welche er in seinem Buch „The Carnivore Code“ vorstellt, nennt sich „Nose to Tail“, bei der möglichst viele verschiedene Teile des Tieres einschließlich der Organe konsumiert werden sollen. Doch ist diese einseitige Ernährung so gesund, wie sie dargestellt wird?

Im Grunde ist die Carnivore-Ernährung mit einer Eliminationsdiät vergleichbar, da eigentlich nur potenzielle Allergene sowie möglicherweise entzündungsfördernde Nahrungsmittel weggelassen werden. Da Pflanzen nicht wie Tiere die Möglichkeit besitzen wegzulaufen, schützen sie sich durch “biochemische Waffen” vor dem Gefressen werden. Sie enthalten verschiedene Antinährstoffe, die als Abwehrmechanismus dienen und den Körper auf unterschiedlichste Art und Weise reizen können. Durch einen kompletten Verzicht dieser Lebensmittel erhält unser Immunsystem eine Art Neustart. Denn etliche pflanzliche Schutzstoffe (Antinährstoffe) wie Lektine, Tannine oder Oxalate triggern das Immunsystem und können sogar zu Autoimmunerkrankungen führen. Bekommen wir aber alle Nährstoffe, die wir benötigen, über das Fleisch?

Fleisch enthält Proteine, Fette, Mineralstoffe wie Zink und Eisen und Vitamine wie B12 und A, die wir alle zum Leben brauchen. Aber unser Körper benötigt weitaus mehr Vitamine und Mineralstoffe. Beispielsweise Vitamin C oder Magnesium. Vitamin C nehmen wir vor allem über pflanzliche Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte, Paprika und Beeren auf. Das lebenswichtige Magnesium erhalten wir über pflanzliche Lebensmittel wie Naturreis, Brokkoli und Hülsenfrüchte.

Obwohl gut belegt ist, dass tierisches Fett und auch Protein eine wesentliche Rolle in der menschlichen Evolution gespielt haben, gibt es einige Argumente, die gegen den extensiven Konsum von Fleisch sprechen. Denn der Genuss größerer Mengen tierischen Proteins und Fleisch mangelnder Qualität können zu Problemen führen. Ganz zu schweigen, dass so ein Konsum sowohl nachhaltig wie auch ethisch nicht vertretbar ist.

Natürlich kann sich im Sinne einer nachhaltigen Lebensweise jedoch auch die Frage stellen, wie sinnvoll es ist, Nahrungsmittel zu konsumieren, die um die ganze Welt reisen, um nach langen Transportwegen auf unserem Teller zu landen. Ganz egal was man isst, wir Menschen sollten Verantwortung dafür übernehmen und uns immer wieder darin erinnern, dass alles, was wir zu uns nehmen, auch zu einem Teil von uns wird und deshalb sollten wir uns auch genauestens mit unseren täglichen Nahrungsmitteln auseinandersetzen.