Weinklassifizierungen (Deutschland)

Die Klassifizierung deutscher Weine weicht von den mittlerweile fast einheitlichen europäischen Standards deutlich ab. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Deutschland war in der Vergangenheit das Weinland mit dem vergleichsweise kühlsten Klima. Das brachte besonders dem Riesling Weltruhm ein, denn der fand hier ideale Bedingungen vor. Aber es war nicht nur das Klima, sondern es waren auch die Böden, die gerade in Deutschland an der Qualität der Weine entscheidend beteiligt waren. Besonders die Schieferböden verhalfen dem Riesling zu einer filigranen Mineralität, wie man sie auf der Welt kaum ein zweites Mal findet. Aber schon sehr früh wussten die Winzer auch, auf welchen Parzellen ihre Ergebnisse besonders gut waren, und wo sich der Anbau bestimmter Rebsorten lohnte, und wo nicht. Deshalb dreht sich hierzulande zunächst alles um Lagen, die nach französischem Vorbild (Premier Cru, Grand Cru) vom Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) kategorisiert wurden in  

  • VDP Große Lage
  • VDP Erste Lage 
  • VDP Ortswein 
  • VDP Gutswein 

Diese Hierarchie ist z.B. nicht identisch mit dem italienischen DOCG, DOP, IGP und VdT, weil hier die Lage im Vordergrund steht – dort aber das Potenzial einer ganzen Gemeinde oder sogar Region. Erst allmählich greift man in Italien und Spanien diesen Gedanken auf und produziert dort ebenfalls einige „Lagenweine“ – mit wachsendem Erfolg. 

Das zweite, ältere deutsche Klassifizierungssystem legt die Anforderungen fest, die qualitativ und quantitativ für gehobene Weine („Prädikatsweine“) verbindlich sind. 

Die Prädikate sind: 

Kabinett

Ein Kabinettwein muss seinen Alkohol ausschließlich aus „eigener Kraft“ erzeugen, also als Lesegut, das eine bestimmte Reife erreicht   hat. Der Zusatz von Süßreserve o.ä. ist nicht erlaubt. 

Spätlese

 Nur vollreife Trauben mit hohem Zuckergehalt dürfen geerntet werden. 

Auslese

Es dürfen nur Trauben mit hohem Zuckergehalt verwendet werden. Der Oechslegrad muss höher sein als bei der Spätlese.

Beerenauslese

Ebenfalls nur vollreife Trauben, aber noch höhere Oechsle-Grade als bei der Auslese, und der Wein ist noch süßer. 

Trockenbeerenauslese

Fast getrocknete (rosinierte) Trauben mit einem Mostgewicht von mindestens 150° Oechsle werden gekeltert. 

Eiswein

Die Trauben müssen am Rebstock bis mindestens -7 Grad gefroren sein und auch in diesem Zustand geerntet werden. 

Wenn man beide Klassifizierungssysteme zusammenführt, erhält man ziemlich verlässliche Informationen über die Qualität des Weins, der da gerade vor einem steht. Eine Beerenauslese aus einer VDP Großen Lage ist also ein Süßwein von erheblichem Geschmackspotenzial, der sowohl als Solist oder zu einem aufwändigen Dessert viel Freude bereiten wird. Ein VDP Gutswein Kabinett trocken wird hingegen ein eher leichter, süffiger Begleiter einer Brotzeit sein, oder ein ordentlicher Tropfen für einen warmen Sommerabend auf der Terrasse. 

Weitere Qualitätsbezeichnungen neben den oben erwähnten sind bspw.: 

Classic

Dabei darf der Wein nur aus einer einzigen Rebsorte bestehen und muss einen Alkoholgehalt haben, der um mindestens einen Punkt über dem Wert liegt, der in den klassischen Qualitätsstufen gefordert wird.

Selection

Voraussetzung ist, dass es sich um einen trockenen, reinsortigen Wein    handelt, der ausschließlich aus für die Region typischen Rebsorten          stammt.