Food Trend 2020 Teil I – Snackification

Hanni Rützler ist eine österreichische Ernährungswissenschaftlerin und Foodtrendforscherin. Jährlich veröffentlicht sie den Foodreport und beschreibt die aktuellen Entwicklungen im Food-Bereich. In diesem Jahr spricht sie unter anderem von dem Phänomen ‚Snackification‘ – ein Trend, der das Ende der klassischen Mahlzeiten bedeutet, so wie wir sie kennen. Kleinere, flexible Mahlzeiten sollen von nun an die traditionellen Mahlzeiten wie Frühstück, Lunch und Abendbrot ersetzen. Mit dem Wandel der Zeit, verändert sich auch unsere Esskultur – Snackifikation beschreibt schon lange nicht mehr die schnelle, ungesunde Lösung für Heißhungerattacken. Viel mehr soll das Snacking eine neue Art des Essens werden, die auch die klassische Gastronomie verändern wird.

Trendy: Burger, Ramen und Bowls

Umfragen ergaben Burger, Ramen und Bowls liegen derzeit sehr im Trend. Die meisten Menschen schätzen an diesen Trend-Gerichten die Kombinationsmöglichkeiten und die Vielfalt. Roh marinierter Lachs, Algen, Bohnen, viele Saucen und Kräuter der perfekte Mix für eine ausgewogene Mahlzeit, bei der man auf einem Blick sieht, was man isst. Bei den sogenannten Bowls wird auf eine kreative Zusammensetzung der Zutaten geachtet auch optisch ein echter Hingucker und oft auf Instagram bei Foodbloggern ein beliebtes Motiv. Kräftige Brühe gepaart mit knackigem Gemüse und Tofu das japanische Nudelgericht Ramen wird von den Befragten ebenfalls als nahrhaft und gesund wahrgenommen und wird besonders in veganen und vegetarischen Kreisen sehr geschätzt. Auch der ehemalige amerikanische Fast-Food-Klassiker der Burger kann mithalten und hat längst seinen alten ungesunden Ruf abgegeben und findet seinen Platz auf den Speisekarten renommierter Restaurants er wird mittlerweile oft auch als vegetarische oder vegane Variante angeboten.

Wandel der Zeit: wie wollen wir essen?

Der signifikante Erfolg dieser Gerichte zeigt den Wandel unserer Esskultur inmitten unseres immer flexibler werdenden Alltags entwickeln sich auch unsere Essgewohnheiten weiter. In einem Interview erklärt Hanni Rützler: „Das Essverhalten passt sich dem Rhythmus unseres Arbeitsalltags an. Schneller, flexibler, mobiler.“ Mitagessen ist nicht mehr an eine feste Zeit oder einen festen Ort gebunden. Die Gerichte werden kleiner, gesünder, praktischer. In den Großstädten ist dieser Wandel schon deutlich zu erkennen. Internationale Küchen bieten immer mehr kleinere Gerichte, Kombinationen oder gesunde und schnelle Alternativen zu den Hauptgerichten an. Beim Spanier sind es die Tapas, in der lavantischen Küche ist es Mezze, in der japanischen Kulinarik die Bento-Boxen, beim Italiener die Antipasti.

Tradition Vs. Snacking

Die traditionellen Esskultur wird von einigen Komponenten definiert.

Komponente Zeit: Wann wir essen dies wird meist kulturell, sozial bestimmt
Komponente Inhalt: Was wir essen bestimmte, bekannte Geschmacksrichtungen, Gerichte, Art von Lebensmitteln
Komponente Menge: Wie viel wir essen feste Reihenfolge (Vorspeise, Haptgang, Dessert), vorgegebene Portionsgrößen
Komponente Begleitung/Ort: Mit wem wir essen, wo wir essen mit Familie oder Arbeitskollegen, auf dem Arbeitsplatz, in der Schule, zu Hause

Die moderne Esskultur löst die festen Komponenten auf und gestaltet die Esskultur wie wir sie kennen flexibler und spontaner.
Snacks und Mini-Mahlzeiten bieten mehr Möglichkeiten für neue Zutaten und Zubereitungsarten. Individuelle Lifestyles werden durch die Snackifikation einfacher umzusetzen, herkömmliche ungesunde Snacks werden abgelöst durch hochwertige Produktkombinationen, die man an jeden Ort zu jeder Zeit essen kann, ob alleine oder in Gesellschaft.

Quelle: Foodreport 2020, Hanni Rützler
https://www.stern.de/genuss/essen/snackification—warum-mahlzeiten-wie-wir-sie-kennen-am-ende-sind-8750850.html
https://www.zeit.de/news/2019-06/03/trendforscherin-snacks-loesen-traditionelle-mahlzeiten-ab-190603-99-49168